Presseberichte

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Oberhessischen Zeitung 

Artikel von Günther Krämer vom 31. Mai 2011 

"Manöverkritik" am Ende fällt positiv aus

Besatzung der "U-Hai" feiert ihr traditionelles Treffen am Wochenende in Alsfeld - Zum Gedenken an Untergang

  

ALSFELD (gk). Die Fachwerkstadt Alsfeld wird gerade in dieser Jahreszeit von vielen Reisegruppen aufgesucht. Die historische Altstadt unter dem Begriff „Städte-Tourismus", der Slogan „Europäische Modellstadt" und die Heimeligkeiten einer oberhessischen Kleinstadt stehen bei den Besuchergruppen größtenteils im Mittelpunkt der Reise nach Alsfeld. Dieser Tage fand allerdings ein nicht alltägliches Ereignis in Alsfeld statt: das 11. „U-Hai" Besatzungstreffen. Über 50 Personen einschließlich Ehefrauen waren zu dem jährlichen Treffen nach Alsfeld gekommen mit dem Ziel die seit Jahrzehnten bestehende freundschaftliche Verbundenheit weiter zu pflegen und zu festigen. Aus allen Teilen Deutschlands – ein Besatzungsmitglied kam aus Österreich - kamen die ehemaligen Besatzungsmitglieder des Unterseebootes „U-Hai" nach Alsfeld, um hier vier Tage miteinander zu verbringen und alte Kameradschaften wieder aufleben zu lassen.

Sie machten Dienst auf dem U-Hai: Besatzungsmitglieder. Beim Treffen in Alsfeld.

Sie machten Dienst auf dem U-Hai: Besatzungsmitglieder. Beim Treffen in Alsfeld. Foto Copyright Günther Krämer, Oberhessische Zeitung

Das Besatzungstreffen hat Tradition; das Unterseeboot „U-Hai" eine Geschichte, die nicht alltäglich ist und daher besonders verbindet, wie der Organisator dieses Treffens Siegmund Mainusch, berichtet. 

Dieses Unterseeboot U-Hai, war vom Typ ein U-Boot mit der Bezeichnung 2365 aus dem Bestand der ehemaligen Kriegsmarine; es wurde im am 5. Mai 1945 - wenige Tage vor Kriegsende - nahe der Insel Anholt im Kattegatt versenkt. Im Jahre 1956 wurde es aus einer Tiefe von 56 Meter wieder gehoben, in der Werft restauriert und mit der Gründung der Bundeswehr ging dieses Unterseeboot „Hai" als erstes Boot der jungen Bundesmarine am 15. August 1957 wieder in den Dienst. Schon allein diese Tatsache ist sehr bemerkenswert, erzählte Sigmund Mainusch.

1966 gesunken

In einem schweren Sturm am 14. September 1966 gegen 19 Uhr sinkt dann „U-Hai" 130 Seemeilen westlich von Helgoland auf der Doggerbank. Das Boot war im Verband mit weiteren Unterseebooten auf einer Übungsfahrt nach Aberdeen in Schottland unterwegs. Erst am 15. September 1966 gegen 7.32 Uhr meldet der Kapitän eines britischen Fischtrawler über Funk: „habe Überlebenden des U-Bootes geboren". Es war der Smut von U-Hai, Obermaat Peter-Otto Silbernagel, der nach fast 14 Stunden im Wasser gerettet werden konnte. Es war der einzige Überlende dieser Schiffskatastrophe; die weiteren 19 Besatzungsmitglieder verloren beim Untergang des Bootes ihr Leben. Das U-Boot wurde später geborgen, gehoben und verschrottet.. Und aus dieser Tragödie - der nur knapp 10jährigen Indienststellung des U-Hai - treffen sich die Besatzungsmitglieder seit 1994 im Gedenken an die damals ums Leben gekommenen letzten Besatzungsmitglieder.

Ein bisschen Wehmut ist schon dabei, stellte Siegmund Mainusch fest; es ist eine echte Kameradschaft geworden. Das erste Treffen fand in Kiel statt; das 10. Treffen in Dresden – jetzt stand Alsfeld, in der Mitte von Deutschland gelegen, als Standort schon viele Monate fest.

Bei dem diesjährigen Treffen mit dabei auch der dritte Kommandant Hans-Jochen Emsmann, schon über 80 Jahre, aber immer noch recht aktiv. Sigmund Mainusch, der als Berufssoldat auf dem „U-Hai" tätig war, machte deutlich, dass alle Besatzungsmitglieder entweder Zeit- oder Berufssoldaten waren. Das gemeinsame Leben auf einem U-Boot „schweißt" im wahrsten Sinne zusammen – das merkt man auch heute noch. "Es herrschen klare Prinzipien", sagt er.

Überraschung: Nachtwäsche – „Kontrast“ zum Leben auf einem U-Boot.
Überraschung: Nachtwäsche – „Kontrast“ zum Leben auf einem U-Boot.
Foto Copyright Günther Krämer, Oberhessische Zeitung

"Klare Prinzipien"

Das Programm in Alsfeld war stark ausgefüllt mit dem Kennen lernen Alsfelds und der Region. Selbstverständlich durfte eine Schifffahrt – auf dem Edersee – nicht fehlen. In Alsfeld selbst standen Stadtbesichtigung und Besichtigung der Brauerei Alsfeld sowie als „Überraschung" ein Besuch bei „arabella" – hier war es modische Nachtkleidung im Angebot. Ein nicht alltäglicher Kontrast zwischen U-Boot-Besatzung und "Nightclychees ". Von einer solchen Symbiose konnten die Besatzungsmitglieder während des Dienstes auf dem U-Boot nur „träumen".

Von Alsfeld unternahm die „Reisegruppe" auch eine Fahrt zum „Point Alpha" an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. – Zu Gast bei dem Besatzungstreffen des „U-Hai" war auch der Shanty-Chor der Marinekameradschaft Alsfeld. – Nach einer „Manöverkritik" über das 11. Treffen, die sehr positiv ausfiel, wurde der Ort für das 12. Besatzungstreffen bestimmt: im Jahre 2013 trifft man sich in Bremerhaven! – Gestern reiste die „Besatzung" der Unterseebootes „Hai" wieder aus Alsfeld – mit vielen schönen Eindrücken und Erlebnissen – ab.

(Fotos: gk)

Eckernförder Zeitung

14. September 2006

13 Stunden in der kalten See

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der sh:z/EckernförderZeitung

Text und Foto: Jutta Scheel vom 14.09.2006.

Wenn Peter Silbernagel die Geschichte vom Untergang des U-Bootes „Hai" erzählt, klingt sie für die meisten unglaublich. Er überlebte 13 Stunden im zwölf Grad kalten Wasser der Nordsee. Heute jährt sich der Tag zum 40. Mal. Das achte Treffen der Besatzung des U-Bootes findet in diesem Jahr in Gammelby statt.

Peter Silbernagel
Peter Silbernagel. Foto:Scheel

Gammelby - Am Abend des 13. September 1966 herrscht ein starker Sturm auf der Nordsee. Das U-Boot „Hai", das begleitet wird vom U-Boot „Hecht" und den Tendern „Passat" und „Lech" ist auf dem Weg nach Schottland, um dort einen Besuch zu absolvieren. Zum Abendessen hatte der Kommandant das U-Boot auf Grund legen lassen, damit die Mannschaft ohne Schaukeln essen konnte, denn auf dem Grund sind die Wellen nicht zu spüren.

Nach dem Wiederauftauchen heißt es plötzlich: Wasser in der Maschine! Das Boot hing achtern. „Ich habe mir noch gar nichts dabei gedacht", erzählt Peter Silbernagel, „bis es hieß: Alle Mann von Bord." Auch das brachte den Smutje und Zentral-Maat noch nicht in Bedrängnis, da dieses Kommando jeden Tag geübt wurde. Aber eine große Welle überspülte das Boot und durch die offene Luke drang Wasser ein, und es sank sofort, zehn Besatzungsmitglieder wurden in die Tiefe gerissen. Silbernagel wurde mit seinen Kameraden fortgespült. Sie waren zu fünft mit Gurten verbunden. „Nach vier Stunden merkte ich, dass die anderen vier tot waren", berichtet er, „da wurde mir unheimlich und ich hab mich Losgemacht. Dann bin ich einfach geschwommen." 

Erst am frühen Morgen wurde der Smutje vom Fischtrawler „St. Martin" aufgegriffen. „Keiner wollte mir glauben, dass ich so lange im Wasser war", erzählt er. „Eigentlich eine Unmöglichkeit.

Peter Silbernagel hat das Erlebnis nach eigenen Angaben gut verarbeitet. Er ist weiterhin zur See gefahren, sogar wieder U-Boot gefahren. Denn auf dem U-Boot „Hecht" wurde die ganze Szenerie noch einmal nachgestellt. Der Untergang gilt heute als eine Verkettung mehrerer unglücklicher Umstände.

JUTTA SCHEEL


 

U-Hai Indienststellung
"U-Hai" wurde am 15.August 1957 in Dienst gestellt. Heute vor 40 Jahren sank es vor Helgoland. Foto: ez

U-Boot Hai sank vor 40 Jahren

Das U-Boot Hai sank am 14. September 1966 gegen 18 Uhr vor Helgoland.

Gebaut worden war das Boot in den Ietzten Kriegsjahren 1944/45 auf der „Deutschen Werft" in Hamburg. Es wurde als „U 2365" in Dienstgestellt.

Am 5. Mai 1945 versenkte die Besatzung das Boot vom Typ XXIII. selbst im Kattegat.

1956 wurde das U-Boot gehoben und als Schulboot der Bundesmarine eingesetzt. Am 15. August 1957 wurde es als „U-Hai" in Dienst gestellt.



RADAR 9/86

Seiten 60 und 61

Vor 20 Jahren

"U-Hai" gesunken

Am 14. September 1966 wurde die Marine von ihrem bisher schwersten Unglück betroffen.

Ein Bericht von Jürgen Kröger mit Fotos von Siegmund Mainusch

RADAR 0986
Die beiden ersten Uboote der Bundesmarine, "U-Hecht" (S 171) und "U-Hai" (S 170) im "Päckchen" vor der Silhouette des Hamburger Hafens.

Wir waren alle ungeheuer betroffen. Für mich war und ist ein Uboot das sicherste Schiff, sagt Stabsbootsmann Siegmund Mainusch (49), der vier Jahre auf "U-Hai" gefahren ist. Von 1957 bis 1961 war er zunächst als Gefreiter, dann als Maat unter seinen Vorgesetzten zuständig für die elektrische Anlage des Bootes. Heute gibt Mainusch als erfahrener Uboot-Mann seine Kenntnisse in der Abteilung Ausbildung des Marineamtes an seine jungen Kameraden weiter.

Die "U-Hai" und ihr Schwesterboot "U-Hecht" waren 250-Tonnen-Uboote des Typs 23 der Kriegsmarine. "U-Hai" war als "U-2365" am 2. März 1945 in Dienst gestellt worden und am 8. Mai 1945 etwa 33 Seemeilen südöstlich der dänischen Insel Anholt - im Kattegat - gesunken. Der damalige Kommandant hatte die Tauchzellen geflutet, um das Boot kurz vor Kriegsende nicht in Feindeshand fallen zu lassen.

Nach mehr als elf Jahren im Ostseewasser war es noch so gut erhalten, dass die Bundesmarine das Boot am 18. Juni 1956 heben ließ. Es wurde instandgesetzt und als "U-Hai" - NATO-Kennzeichnung S 170 -, am 15.August 1957 in Dienst gestellt.

RADAR 09/86 HAI Bild2
Am 18. Juni 1956 wurde das spätere "U-Hai" aus der Ostsee geborgen, es hatte die vorläufige Typenbezeichnung "U 1'.

"U-Hai" fuhr ohne Zwischenfälle, auch nach einem Umbau 1962/63, bis zum 14. September 1966. An diesem Tag war "U-Hai" zusammen mit ihrem Schwesterboot "U-Hecht"-, der "U-3", dem Tender "Lech" und dem Ubootsicherungsfahrzeug "Passat" in der Nordsee auf dem Weg ins schottische Aberdeen.

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Das Boot nach dem Umbau mit neuem Turm und der NATO-Kennung "S 170" in der Neustädter Bucht.

Bei schwerem Wetter riss um 18.45 Uhr der Funkkontakt zwischen Tender "Lech" und dem aufgetaucht fahrenden Boot ab. Letzte Positionsmeldung von 18.42 Uhr: 55 Grad, 9.6 Minuten Nord 4 Grad, 20.3 Minuten Ost.

"U-Hai" war mit 20 Besatzungsmitgliedern über der Doggerbank gesunken. Einziger Überlebender, der damals 23jährige Obermaat Peter-Otto Silbernagel, der Smut des Bootes. Er wurde erst am Morgen des 15. September, nachdem er dreizehn-einhalb Stunden in der aufgewühlten See getrieben hatte, völlig erschöpft von einem englischen Trawler geborgen.

Glück hatte noch ein anderes Besatzungsmitglied der "U-Hai". Sanitätsobermaat Danner, der bereits die Reise des Bootes von Neustadt/Holstein nach Kiel mitgemacht hatte, verpasste den Kutter, der ihn auf sein Schiff bringen sollte. Er schiffte sich deswegen auf dem Begleittender ein, um in Brunsbüttel "umzusteigen". Vor der Schleuse schob sich jedoch ein Küstenmotorschiff zwischen Tender und "U-Hai". Als die "Lech" ausschleuste, war das Uboot schon in voller Fahrt; ein Umsteigen nicht mehr möglich.

Niemand weiß bis heute genau, was wirklich die Ursache für dieses bisher schwerste Unglück in der Bundesmarine war. Mainusch, der das Boot wie seine Westentasche kannte, ist der Meinung, dass alles blitzschnell gegangen sein muss. Menschliches Versagen und eine Verkettung unglücklicher Umstände, haben wohl zum Untergang geführt. Das Boot selber war absolut sicher! Nie haben wir ein ungutes Gefühl gehabt, wenn wir auf See waren!"

Das Schwesterboot "U-Hecht" fuhr übrigens ohne Probleme weiter bis zu seiner Außerdienststellung am 30. September 1968. "U-Hai" wurde eine Woche nach dem Unglück gehoben, unter dem Schwimmkran "Magnus III" hängend nach Helgoland verbracht und später verschrottet.

Jürgen Kröger

Eckernförder Zeitung

15. September 2006

Erinnerungen an eine Tragödie

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der sh:z/Eckernförder Zeitung

Text und Foto: Jan Ströhmer vom 15.09.2006


Am Abend des I4, September 1966 sank in der Nordsee das U-Boot "Hai" und riss 19 Seeleute mit in den Tod. Gestern trafen sich aktive und ehemalige U-Bootfahrer am Gedenkstein für die Opfer des Unglücks im Marinestützpunkt Eckernförde. 

Gemeinsames Gedenken
Gemeinsames Gedenken: (v.l.) Fregattenkapitän Frank Thiede, der einzige Überlebende Peter Silbernagel, sowie der Organisator desTreffens ehemaliger Besatzungsmitglieder, Siegmund Mainusch. Foto: Ströhmer

Eckernförde - Das Unglück vor genau 40 Jahren war das bislang schwerste in der Geschichte der deutschen Marine. Gestern trafen sich neben U-Bootfahrern der Marine auch ehemalige Besatzungs- mitglieder des U-Bootes „Hai" zum gemeinsamen Gedenken im Marinestützpunkt Eckernförde. Da auch das U-Boot „Hai" zur Ausbildung eingesetzt wurde, erinnert heute ein Gedenkstein am Ausbildungszentrum U-Boote an die Katastrophe. Unter den Anwesenden war auch der einzige Überlebende des Unglückes, der heute 63-jährige ehemalige Schiffskoch Peter Silbernagel. 

Vor den Soldaten des Ausbildungs- zentrums U-Boote und des 1. U-Bootgeschwaders sowie den zivilen Gästen wies der stellvertretende Kommandeur des Ausbildungszentrums, Fregattenkapitän Frank Thiede, auf die Lehren hin, welche die Marine aus dieser Katastrophe gezogen habe. „Zwar kann es keinen Trost für die Hinterbliebenen bedeuten, aber die Konsequenzen aus dem Unglück haben direkten Einfluss auf die Sicherheitsbestimmungen für die deutsche Unterseebootflotte gehabt." Nach einer Schweigeminute wurden Kränze zu Ehren der Opfer am Gedenkstein niedergelegt. 

Im Anschluss beteten die beiden Militärpfarrer Michael Schröder und Anton Koffner gemeinsam mit den Teilnehmern für ihre auf See gebliebenen Kameraden. 

Das U-Boot „Hai" befand sich mit verschiedenen anderen Einheiten der noch jungen Bundesmarine auf einer Ausbildungsfahrt Richtung Schottland. Als gegen 18.50 Uhr der Funkkontakt abriss, führte man das auf den zu dieser Zeit wütenden Sturm zurück. So wurde erst gegen Mitternacht mit der Suche nach möglichen Überlebenden begonnen. Eine Rekonstruktion der Ereignisse zeigte, dass „U-Hai" durch hohe Wellen Wasser über den Zuluftstutzen für die Maschine aufnahm. Als „UHai" schließlich nicht mehr zu retten war, befahl der Kommandant der Besatzung, das Boot aufzugeben. Doch schafften es nur noch zehn Mann das Boot zu verlassen, bevor es um 18.54 Uhr sank. Als einziger Überlebender konnte Obermaat Silbernagel nach 13 Stunden im 12 Grad kalten Nordseewasser durch einen britschen Trawler geborgen werden. „U-Hai" konnte eine Woche später durch einen Schwimmkran aus 40 Meter Wassertiefe gehoben werden und wurde anschließend nach Emden geschleppt. Am Uboot-Ehrenmal Möltenort bei Laboe hat die Schiffsglocke des „U-Hai" ihren letzten Platz gefunden. Dort fanden gestern unter Beteiligung der Marinesoldaten aus Eckernförde auch die zentralen Gedenkfeierlichkeiten der Marine statt. 

JAN STRÖHMER


 

Peter Silbernagel 

Der Smutje und Zentralmaat an Bord wurde beim Untergang des Bootes mit vier Kameraden von Bord gespült. Mit Seilen zusammengebunden trieben sie in der eiskalten Nordsee. „Nach vier Stunden merkte ich, dass die anderen tot waren. Da wurde mir unheimlich und ich habe mich losgemacht, um davonzuschwimmen:' Erst nach 13 Stunden in der tosenden See wurde er schließlich von einem britischen Trawler gerettet. Für die Medizin ein Wunder, überstand er diese Tortur ohne Spätfolgen und fuhr später wieder auf einem U-Boot zur See.


Kieler Nachrichten

Dienstag, 28. Juni 1994

Funker "funkte" ehemalige U-Boot-Fahrer zum Treffen nach Bordesholm

Erinnerungen an Schweißfüße und eine gute Kameradschaft

Von Frank Scheer

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten

KN 1994
17 ehemalige U-Bootfahrer, die von 1957 bis 1966 auf dem Typ "Hai" Dienst schoben, trafen sich in Bordesholm, teilweise nach 35 Jahren zum ersten Mal, wieder.

Bordesholm (fs) U-Bootfahren „schweißt" eine Crew buchstäblich zusammen. Und das sicher nicht nur deshalb, weil sich zwei Seeleute wegen der Raumknappheit immer eine Koje (die eine Hälfte diente, die andere schlief) und damit das Problem "Schweißfüße" teilen müssen. Die gute Kameradschaft unter U-Bootfahrern wurde am Wochenende deutlich: 17 Ehemalige, die auf dem legendären U-Boot "Hai" von 1957 bis 1966 Dienst schoben, trafen sich in Bordesholm zu einer Wiedersehensfeier - viele sahen sich nach 35 Jahren zum ersten Mal. Und sie hatten sich viel zu erzählen: Geschichten und Anekdoten von damals und natürlich die Werdegange prägten den Abend. Organisiert hatte die Feier der Bordesholmer Willi Schmelzpfennig (54), der von Juni 1959 bis September 1961 als Funker "unter Wasser" ging.

So schon die Freude über das Wiedersehen war, auch an die Hiobsbotschaft vom 15. September 1966 erinnerte man sich: Während einer Fahrt zum schottischen Hafen Aberdeen war der "Hai" in der Nordsee gesunken. Von der 20köpfigen Besatzung überlebte nur eine Person. Zum Gedenken legten die Ehemaligen am Sonnabend in Laboe in der Weihehalle des Ehrenmals einen Kranz nieder. Nervosität schnell abgelegt.

Die Nervosität legte Willi Schmelzpfennig am Freitag schnell ab. "Bei einem ersten Treffen weiß man ja nie, ob alles klappt. Aber es läuft hervorragend", freute sich Schmelzpfennig, der heute als Kämmerer des Amtes Aukrug tätig ist, gegenüber den KN. Die Idee sei im Herbst letzten Jahres bei einem zufälligen Treffen mit zwei anderen Ehemaligen geboren worden. "Zum Teil bestehen Kontakte zwischen einzelnen Ehemaligen. Warum sollten wir nicht mal alle auf einen Schlag zusammenholen, sagten wir uns", führte der Bordesholmer aus. Und gekommen waren die Mariner aus Schleswig-Holstein, aus Friesland und aus dem Schwarzwald.
Einig waren sich nach dem Treffen alle: So etwas machen wir wieder. Da dem Organisationsteam keine komplette Besatzungsliste von ehemaligen "U-Hai-Fahrern" vorliegt, hofft man, dass sich weitere Kameraden melden werden. Ansprechpartner ist Willi Schmelzpfennig.

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