NORDSEE-ZEITUNG

16. August 2013

Die Männer aus der Röhre treffen sich immer noch

Besatzung von „U-Hai“ pflegt vier Tage lang in Bremerhaven die alte Kameradschaft – Erinnerungen an die Tragödie von 1966

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der "NORDSEE-ZEITUNG"
Fotograf: Olaf Adebahr

bremerhaven2013-1BREMERHAVEN. Seine schönsten Jahre hat Siegmund Mainusch in einer stählernen Röhre unter Wasser verbracht. „Die Kameradschaft unter Ubootfahrern, der Zusammenhalt – das hat geprägt“, sagt der 76-jährige Kieler. Es muss wohl etwas dran sein an diesem Satz, der Außenstehende wie ein Klischee erscheint. Denn obwohl das Uboot „Hai“ und sein dr4amatisches Ende in der Nordsee seit bald 50 Jahren Geschichte sind, treffen sich die Crewmitglieder noch heute regelmäßig alle anderthalb Jahre irgendwo in Deutschland. Dieses Jahr fiel die Wahl auf Bremerhaven.

„U-Hai“ war allerdings auch nicht irgendein Uboot. Es war das erste Exemplar seiner Art, das die junge Bundesmarine 1957 in Dienst stellte – gerade mal 12 Jahre nachdem Ende des Krieges, in dem aus den „grauen Wölfen“ der Nazi-Propaganda die stählernen Särge für 30.000 junge Männer geworden waren. „Die ersten Kommandanten und Dienstgrade sind noch alle im Krieg gefahren“, sagt Mainusch, der als 19-jähriger vergleichsweise unbelastet zur Marine kam. „Viele kannten ja gar nichts anderes – nach der Schule direkt zur Marine, dann zum Teil die Gefangenschaft… Was sollten sie tun?“

„U-Hai“ selbst stammte auch noch aus dem Krieg, ein Boot vom Typ XXIII, 1944/45 auf der Deutschen Werft in Hamburg gebaut, kurz vor Kriegsende im Kattegat versenkt, 1956 geborgen und instand gesetzt, sollte es den Aufbau einer neuen deutschen Ubootwaffe vorbereiten.

Untergang im Sturm

Die Lehren waren schmerzhaft. Am 14. September 1966 sank „U-Hai“ in stürmischer See nordwestlich von Helgoland. Von den 20 Männern an Bord konnte nur einer nach 13 Stunden lebend aus der Nordsee gefischt werden – der Smut Peter Silbernagel. Der amtliche Untersuchungsbericht machte indirekt eine Fehlentscheidung des Kommandanten für den Untergang verantwortlich: Zwar war über einen Stutzen tatsächlich Wasser ins Boote eingedrungen, doch die Situation wäre beherrschbar gewesen. Stattdessen ordnete der Kommandant die Evakuierung des Bootes an. Eine Riesenwelle riss die Männer in die stürmische See, das Boot sank.

„Es war eine Mischung aus menschlichem und Technischem Versagen“, urteilt Mainusch heute. „Aber ich halte nichts von Schuldzuweisungen. Lassen wir das.“ Die Marine zog umfangreiche Lehren aus dem Unglück. Ausbildung und Technik wurden verbessert. Uboote Made in Germany sind längst ein Exportschlager. Und die Männer von „U-Hai“ lassen sowieso nichts kommen auf ihr Boot.

Einer ist in diesem Jahr nicht mehr dabei beim großen Wiedersehen. Peter Silbernagel, der einzige Überlebende des Untergangs von „U-Hai“. Er Starb im Januar im Alter von 69 Jahren. (ch)

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 Zwei Dutzend Ehemalige von „U-Hai“ und ihre Ehefrauen und Partnerinnen trafen sich für vier Tage in Bremerhaven – Foto: Olaf Adebahr

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