Eckernförder Zeitung

14. September 2006

13 Stunden in der kalten See

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der sh:z/EckernförderZeitung

Text und Foto: Jutta Scheel vom 14.09.2006.

Wenn Peter Silbernagel die Geschichte vom Untergang des U-Bootes „Hai" erzählt, klingt sie für die meisten unglaublich. Er überlebte 13 Stunden im zwölf Grad kalten Wasser der Nordsee. Heute jährt sich der Tag zum 40. Mal. Das achte Treffen der Besatzung des U-Bootes findet in diesem Jahr in Gammelby statt.

Peter Silbernagel
Peter Silbernagel. Foto:Scheel

Gammelby - Am Abend des 13. September 1966 herrscht ein starker Sturm auf der Nordsee. Das U-Boot „Hai", das begleitet wird vom U-Boot „Hecht" und den Tendern „Passat" und „Lech" ist auf dem Weg nach Schottland, um dort einen Besuch zu absolvieren. Zum Abendessen hatte der Kommandant das U-Boot auf Grund legen lassen, damit die Mannschaft ohne Schaukeln essen konnte, denn auf dem Grund sind die Wellen nicht zu spüren.

Nach dem Wiederauftauchen heißt es plötzlich: Wasser in der Maschine! Das Boot hing achtern. „Ich habe mir noch gar nichts dabei gedacht", erzählt Peter Silbernagel, „bis es hieß: Alle Mann von Bord." Auch das brachte den Smutje und Zentral-Maat noch nicht in Bedrängnis, da dieses Kommando jeden Tag geübt wurde. Aber eine große Welle überspülte das Boot und durch die offene Luke drang Wasser ein, und es sank sofort, zehn Besatzungsmitglieder wurden in die Tiefe gerissen. Silbernagel wurde mit seinen Kameraden fortgespült. Sie waren zu fünft mit Gurten verbunden. „Nach vier Stunden merkte ich, dass die anderen vier tot waren", berichtet er, „da wurde mir unheimlich und ich hab mich Losgemacht. Dann bin ich einfach geschwommen." 

Erst am frühen Morgen wurde der Smutje vom Fischtrawler „St. Martin" aufgegriffen. „Keiner wollte mir glauben, dass ich so lange im Wasser war", erzählt er. „Eigentlich eine Unmöglichkeit.

Peter Silbernagel hat das Erlebnis nach eigenen Angaben gut verarbeitet. Er ist weiterhin zur See gefahren, sogar wieder U-Boot gefahren. Denn auf dem U-Boot „Hecht" wurde die ganze Szenerie noch einmal nachgestellt. Der Untergang gilt heute als eine Verkettung mehrerer unglücklicher Umstände.

JUTTA SCHEEL


 

U-Hai Indienststellung
"U-Hai" wurde am 15.August 1957 in Dienst gestellt. Heute vor 40 Jahren sank es vor Helgoland. Foto: ez

U-Boot Hai sank vor 40 Jahren

Das U-Boot Hai sank am 14. September 1966 gegen 18 Uhr vor Helgoland.

Gebaut worden war das Boot in den Ietzten Kriegsjahren 1944/45 auf der „Deutschen Werft" in Hamburg. Es wurde als „U 2365" in Dienstgestellt.

Am 5. Mai 1945 versenkte die Besatzung das Boot vom Typ XXIII. selbst im Kattegat.

1956 wurde das U-Boot gehoben und als Schulboot der Bundesmarine eingesetzt. Am 15. August 1957 wurde es als „U-Hai" in Dienst gestellt.



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