Eckernförder Zeitung

15. September 2006

Erinnerungen an eine Tragödie

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der sh:z/Eckernförder Zeitung

Text und Foto: Jan Ströhmer vom 15.09.2006


Am Abend des I4, September 1966 sank in der Nordsee das U-Boot "Hai" und riss 19 Seeleute mit in den Tod. Gestern trafen sich aktive und ehemalige U-Bootfahrer am Gedenkstein für die Opfer des Unglücks im Marinestützpunkt Eckernförde. 

Gemeinsames Gedenken
Gemeinsames Gedenken: (v.l.) Fregattenkapitän Frank Thiede, der einzige Überlebende Peter Silbernagel, sowie der Organisator desTreffens ehemaliger Besatzungsmitglieder, Siegmund Mainusch. Foto: Ströhmer

Eckernförde - Das Unglück vor genau 40 Jahren war das bislang schwerste in der Geschichte der deutschen Marine. Gestern trafen sich neben U-Bootfahrern der Marine auch ehemalige Besatzungs- mitglieder des U-Bootes „Hai" zum gemeinsamen Gedenken im Marinestützpunkt Eckernförde. Da auch das U-Boot „Hai" zur Ausbildung eingesetzt wurde, erinnert heute ein Gedenkstein am Ausbildungszentrum U-Boote an die Katastrophe. Unter den Anwesenden war auch der einzige Überlebende des Unglückes, der heute 63-jährige ehemalige Schiffskoch Peter Silbernagel. 

Vor den Soldaten des Ausbildungs- zentrums U-Boote und des 1. U-Bootgeschwaders sowie den zivilen Gästen wies der stellvertretende Kommandeur des Ausbildungszentrums, Fregattenkapitän Frank Thiede, auf die Lehren hin, welche die Marine aus dieser Katastrophe gezogen habe. „Zwar kann es keinen Trost für die Hinterbliebenen bedeuten, aber die Konsequenzen aus dem Unglück haben direkten Einfluss auf die Sicherheitsbestimmungen für die deutsche Unterseebootflotte gehabt." Nach einer Schweigeminute wurden Kränze zu Ehren der Opfer am Gedenkstein niedergelegt. 

Im Anschluss beteten die beiden Militärpfarrer Michael Schröder und Anton Koffner gemeinsam mit den Teilnehmern für ihre auf See gebliebenen Kameraden. 

Das U-Boot „Hai" befand sich mit verschiedenen anderen Einheiten der noch jungen Bundesmarine auf einer Ausbildungsfahrt Richtung Schottland. Als gegen 18.50 Uhr der Funkkontakt abriss, führte man das auf den zu dieser Zeit wütenden Sturm zurück. So wurde erst gegen Mitternacht mit der Suche nach möglichen Überlebenden begonnen. Eine Rekonstruktion der Ereignisse zeigte, dass „U-Hai" durch hohe Wellen Wasser über den Zuluftstutzen für die Maschine aufnahm. Als „UHai" schließlich nicht mehr zu retten war, befahl der Kommandant der Besatzung, das Boot aufzugeben. Doch schafften es nur noch zehn Mann das Boot zu verlassen, bevor es um 18.54 Uhr sank. Als einziger Überlebender konnte Obermaat Silbernagel nach 13 Stunden im 12 Grad kalten Nordseewasser durch einen britschen Trawler geborgen werden. „U-Hai" konnte eine Woche später durch einen Schwimmkran aus 40 Meter Wassertiefe gehoben werden und wurde anschließend nach Emden geschleppt. Am Uboot-Ehrenmal Möltenort bei Laboe hat die Schiffsglocke des „U-Hai" ihren letzten Platz gefunden. Dort fanden gestern unter Beteiligung der Marinesoldaten aus Eckernförde auch die zentralen Gedenkfeierlichkeiten der Marine statt. 

JAN STRÖHMER


 

Peter Silbernagel 

Der Smutje und Zentralmaat an Bord wurde beim Untergang des Bootes mit vier Kameraden von Bord gespült. Mit Seilen zusammengebunden trieben sie in der eiskalten Nordsee. „Nach vier Stunden merkte ich, dass die anderen tot waren. Da wurde mir unheimlich und ich habe mich losgemacht, um davonzuschwimmen:' Erst nach 13 Stunden in der tosenden See wurde er schließlich von einem britischen Trawler gerettet. Für die Medizin ein Wunder, überstand er diese Tortur ohne Spätfolgen und fuhr später wieder auf einem U-Boot zur See.


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