Kieler Nachrichten

Dienstag, 28. Juni 1994

Funker "funkte" ehemalige U-Boot-Fahrer zum Treffen nach Bordesholm

Erinnerungen an Schweißfüße und eine gute Kameradschaft

Von Frank Scheer

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten

KN 1994
17 ehemalige U-Bootfahrer, die von 1957 bis 1966 auf dem Typ "Hai" Dienst schoben, trafen sich in Bordesholm, teilweise nach 35 Jahren zum ersten Mal, wieder.

Bordesholm (fs) U-Bootfahren „schweißt" eine Crew buchstäblich zusammen. Und das sicher nicht nur deshalb, weil sich zwei Seeleute wegen der Raumknappheit immer eine Koje (die eine Hälfte diente, die andere schlief) und damit das Problem "Schweißfüße" teilen müssen. Die gute Kameradschaft unter U-Bootfahrern wurde am Wochenende deutlich: 17 Ehemalige, die auf dem legendären U-Boot "Hai" von 1957 bis 1966 Dienst schoben, trafen sich in Bordesholm zu einer Wiedersehensfeier - viele sahen sich nach 35 Jahren zum ersten Mal. Und sie hatten sich viel zu erzählen: Geschichten und Anekdoten von damals und natürlich die Werdegange prägten den Abend. Organisiert hatte die Feier der Bordesholmer Willi Schmelzpfennig (54), der von Juni 1959 bis September 1961 als Funker "unter Wasser" ging.

So schon die Freude über das Wiedersehen war, auch an die Hiobsbotschaft vom 15. September 1966 erinnerte man sich: Während einer Fahrt zum schottischen Hafen Aberdeen war der "Hai" in der Nordsee gesunken. Von der 20köpfigen Besatzung überlebte nur eine Person. Zum Gedenken legten die Ehemaligen am Sonnabend in Laboe in der Weihehalle des Ehrenmals einen Kranz nieder. Nervosität schnell abgelegt.

Die Nervosität legte Willi Schmelzpfennig am Freitag schnell ab. "Bei einem ersten Treffen weiß man ja nie, ob alles klappt. Aber es läuft hervorragend", freute sich Schmelzpfennig, der heute als Kämmerer des Amtes Aukrug tätig ist, gegenüber den KN. Die Idee sei im Herbst letzten Jahres bei einem zufälligen Treffen mit zwei anderen Ehemaligen geboren worden. "Zum Teil bestehen Kontakte zwischen einzelnen Ehemaligen. Warum sollten wir nicht mal alle auf einen Schlag zusammenholen, sagten wir uns", führte der Bordesholmer aus. Und gekommen waren die Mariner aus Schleswig-Holstein, aus Friesland und aus dem Schwarzwald.
Einig waren sich nach dem Treffen alle: So etwas machen wir wieder. Da dem Organisationsteam keine komplette Besatzungsliste von ehemaligen "U-Hai-Fahrern" vorliegt, hofft man, dass sich weitere Kameraden melden werden. Ansprechpartner ist Willi Schmelzpfennig.

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