Marinezeitung "LEINEN LOS !"

Nummer 3 / Seite 83, März 1960

Spinat mit Ei auf dem Meeresgrund

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Deutschen Marinebundes

Zwei Boote stark ist die U-Bootwaffe der Bundesmarine, "U-Hai" und "U-Hecht", je 250 t groß, nehmen sich neben den Zerstörern der Marine klein and winzig aus. Wie klein die beiden Boote sind, das weiß die Besatzung am besten. Knapp zwei Meter hoch, zwei Meter breit und etwa sieben Meter lang ist der einzige Aufenthaltsraum an Bord, der gleichzeitig als Schlafsaal, Essraum and Unterhaltungszimmer für die 19köpfige Besatzung - drei Offiziere, zwei Oberbootsmänner, sieben Maate and sieben Mann - dient. Der Schlafplatz des Kommandanten ist um nichts breiter oder bequemer als der des jüngsten Matrosen. In der gleichen engen, mit Leitungen und Hähnen vollgestopften Röhre ist auch die Kombüse sowie die beiden Torpedorohre untergebracht. Man sollte meinen, niemand dränge sich danach, unter derartigen Bedingungen zur See zu fahren. Aber jeder auf einem U-Boot hat sich freiwillig dazu gemeldet, und keiner, der es endlich geschafft hat, möchte mit irgendeinem Angehörigen der übrigen Marine, des Heeres oder der Luftwaffe tauschen. 

Ist das für den Außenstehenden verwunderlich, so ist doch die Tatsache, dass U-Hai und U-Hecht heute 15 Jahre alt sind und beide rund zehn Jahre - von 1945 bis 1955 - bei Skagen auf Grund gelegen haben, noch verwunderlicher. Die Boote gehören zum Typ XXIII, der 1944 entwickelt und besonders für den küstennahen Einsatz vor der britischen Küste konstruiert wurde. Nach der Kapitulation von ihrer Besatzung versenkt, wurden beide Boote zehn Jahre später gehoben und überholt. Mit Ausnahme der Schalttafel für die Elektromaschine brauchte kein wesentlicher Tell erneuert zu werden. Die Ölbunker waren ausgelaufen und hatten alle Gegenstände in den U-Booten mit einer konservierenden Ölschicht überzogen. Die Renovierung kostete pro Boot rund 2,5 Millionen, ein Neubau des gleichen Typs hatte 18 Millionen gekostet.

Spinat mit Ei
"Wenn es oben stürmt und ungemütlich ist, dann lässt der Kommandant zum Mittagessen tauchen und das Boot auf dem Meeresgrund ruhen. In völliger Ruhe und unbehelligt von Wellengang gibt es dann Spinat mit Ei."

Wenn auch heute bereits Atom- unterseeboote Dauerfahrten unter Wasser durchführen und dabei schneller sind als bei Überwasserfahrt, so sind doch die beiden deutschen Boote in ihrer Klasse noch keineswegs "altes Eisen". Ihre 25 Millimeter starke Stahlhaut verträgt noch immer einen Wasserdruck, wie er in über 200 m Tiefe herrscht, und ein Schnorchel gestattet unbeschränkte Unterwasserfahrt.

Drei Ölbunker mit je 20 t und 360 Liter Trinkwasser geben den beiden Booten die Möglichkeit, ohne Halt bis nach Amerika zu fahren. Aber so weit gespannt sind die Ziele der Bundesmarine nicht. Meistens proben "U-Hai" und "U-Hecht" zusammen mit Zerstörern and U-Bootjägern das Orten von Unterwasserzielen. Die Überwasser- schiffe müssen dabei mit ihren akustischen Suchgeräten das getaucht fahrende U-Boot aufspüren. Die U-Boote können dabei dank der modernen Technik die Impulse der Suchschiffe stören, oder mit gleicher Frequenz Tonimpulse ausstrahlen, so dass die Geräte der U-Jäger gestört werden. Die U-Boot-Taktik des letzten Krieges, die den massierten Angriff von U-Booten meistens über Wasser zur Nachtzeit, oder allenfalls in Seerohrtiefe (bis 15 Meter Tiefe) vorsah, ist heute durch Radar und weiter entwickelte Unterwasserortung überholt. Die Konsequenz daraus sind Boote, die überwiegend unter Wasser fahren und aus Tiefen unter 40 Meter angreifen können. Aus dem U-Boot, das zwar auch tauchen konnte, aber streng genommen doch ein Überwasserschiff und in seiner Tauchdauer beschränkt war, ist heute ein wirkliches Tauchboot geworden, das seine höchste Leistungskraft und Geschwindigkeit erst unter Wasser erreicht. Schon in den Booten vom Typ XXIII deutete sich diese Entwicklung an, denn "U-Hai" und "U-Hecht" sind unter Wasser schneller als an der Oberfläche. 

Dennoch sind die beiden Fahrzeuge heute keine Kampf-, sondern nur Schulboote. Die moderne U-Boot-Taktik fordert, dass an die Stelle des Sehrohrs als Sichtmittel die Elektronik tritt, mit deren Hilfe ein gezielter Torpedoschuss auch aus größeren Tiefen möglich ist. Für den Einbau derartiger Geräte ist auf den bei 250-Tonnen-Booten kein Platz mehr. 

Ein U-Bootfahrer muss manche Härte in Kauf nehmen, die ein gewöhnlicher Matrose nicht kennt, aber er hat dafür auch - abgesehen von der Tauchzulage von 173 DM monatlich - manches, das spezifisch U-Bootisch ist. Wenn es oben stürmt und ungemütlich ist, dann lässt der Kommandant zum Mittagessen tauchen und das Boot auf dem Meeresgrund ruhen. In völliger Ruhe und unbehelligt von Wellengang gibt es dann Spinat mit Ei.


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