Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Dresdner Druck- und Verlagshaus GmbH & Co. KG

Artikel aus der "Sächsischen Zeitung - Dresdner Zeitung" vom 15./16. August 2009 

Frühere U-Boot-Fahrer aus ganz Deutschland trafen sich erstmals in Sachsen. Der Hai ist ihr Vermächtnis.

Von Sabine Bachert

Wie wagemutige oder abgeklärte U-Boot-Fahrer sehen sie nicht aus. Manche tragen Ringelshirt, Jeans und Turnschuhe, Bart und Bauch. An ihrer Seite drängen sportlich gekleidete ältere Damen durch die Eingangstür des Hotels „Pappritzer Hof“. Für fast eine Woche haben die 30 Männer und ihre Partnerinnen hier Zimmer bezogen. Zu Hause sind sie zwischen Flensburg, Ulm und Wiener Neustadt. Was sie verbindet liegt 50 Jahre zurück – ihre gemeinsame Zeit auf dem U-Boot „Hai“.

Der Brandtaucher
Eberhard Mayr, Harry Mayer, Rolf Hermann, Siegmund Mainusch und Norbert Speckbrock (v. 1, n. r.) gehören zu den 30 ehemaligen U-Boot-Fahrern, die Dresden und das Militärhistorische Museum besuchten. Foto: Copyright © Lothar Schwuchow, alle Rechte vorbehalten.

Neuanfang und Untergang

Das Unterseeboot „Hai“ wurde am 15. August 1957 als erstes U-Boot der zwei Jahre zuvor gegründeten Bundeswehr in Dienst gestellt. Wie sein Schwester-Boot „Hecht“ wurde es im Zweiten Weltkrieg versenkt, später gehoben und wieder aufgebaut. Knapp zehn Jahre später, am 14. September 1966, versank U-Hai während einer Übungsfahrt nach Aberdeen in schwerem Sturm. Von den 20 Mann Besatzung konnte nur einer gerettet werden, der Smut und Obermaat Peter Silbernagel. Vom ersten Tag an auf U-Hai und seit dem ersten Bootstreffen 1994 dabei ist Hans-Jochen Emsmann. Der heute 84-Jährige war 3. Kommandant auf dem U-Boot. „Bis zu vier Wochen waren die Besatzungen damals unterwegs“, erzählt er. Nicht immer eine leichte Zeit, vor allem für die Familien. „Doch wir haben gewusst, auf wen und was wir uns eingelassen haben“, sagt Ehefrau Ruth (81) und lächelt. Die beiden sind seit 1950 verheiratet. Hans-Heinrich Heyden war ab Anfang der 1960er-Jahre als Ausbilder auf U-Hai. Zum Dienst auf dem U-Boot kam er wie die meisten anderen: Sie wollten zur Marine und wurden bei Musterungen für U-Boot-tauglich erklärt. „Es war ganz anders als auf den U-Booten heute“, sagt Kurt Walther. „Es war je nach Wetterlage zu kalt oder zu warm dort unten. Manchmal tropfte Wasser von der niedrigen Decke und geschlafen wurde überall dort, wo Platz dafür war.“ Nach dem Untergang von U-Hai hatten sie sich aus den Augen verloren. Neue Aufgaben warteten, manche wechselten zur zivilen Arbeit. 1994 dann die erste Begegnung ehemaliger Besatzungsmitglieder, im Juni zur Kieler Woche. Der Funker Willi Schmelzpfennig, von 1959 bis 1961 an Bord, hatte es organisiert. Seitdem finden die Bootstreffen alle zwei Jahre statt – mal im Norden, mal im Süden. „Zum ersten Mal im Osten“, sagt Siegmund Mainusch, der seit dem 6. Treffen die Organisation in den Händen hält.

Sehenswürdiges im Stundentakt

Seine Liebe zu Dresden hat der rührige ehemalige Maat von U-Hai Anfang der 1990er-Jahre entdeckt, als er mit Ehefrau Christel und drei befreundeten Paaren Sachsens Metropole besuchte. Und so hat er das Quartier in Pappritz organisiert und ein straffes Programm. Mittwoch Stadtrundfahrt und Stadtrundgang in Dresden, Panometer und abends ein Plausch mit der Gräfin Cosel. Am Donnerstag Pirna, Festung Königstein und die Bastei. Am Freitag Militärhistorisches Museum, Porzellanmanufaktur Meißen und Moritzburg. Heute noch einmal Dresden – Besuch im Grünen Gewölbe. Im Militärhistorischen Museum werden beim Fototermin vor dem U-Boot-Teil Erinnerungen wach. Die Gedanken wandern zu denen, die 1966 mit U-Hai versanken. „Der Dienst in einem U-Boot ist nicht leicht, auch in Friedenszeiten“, sagt Siegmund Mainusch. „Zu unseren Treffen frischen wir unsere Erinnerungen auf, wir denken an die, die nicht mehr dabei sein können, pflegen die Kameradschaft und lernen auch ein Stück Deutschland kennen.“ Und so wird es auch 2011 ein Bootstreffen U-Hai geben.


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