Bergung von U-HaiAm 14. September 1966 gegen 19:00 Uhr sinkt das Unterseeboot "Hai" 138 sm nordwestlich von Helgoland auf der Doggerbank auf 55.09 nördlicher Breite und 04.20 östlicher Länge in einem schweren Sturm.

Das Boot war im Verband mit den Unterseebooten "Hecht" und U 3" sowie dem Tender "Lech" und dem Sicherungsboot "Passat" auf einer Übungsfahrt nach Aberdeen in Schottland.

Der Untergang des Bootes, das seit 18:45 Uhr am 14. September vermisst wird, wird erst offensichtlich, als am 15. September um 7.32 MEZ der Kapitän des  britischen Fischtrawler "St. Martin" über Funk meldet: "Habe Überlebenden des deutschen Ubootes S170 auf 55.05 nördlicher Breite und 04.25 östlicher Länge geborgen". Es ist der Smut von U-Hai, Obermaat Peter-Otto Silbernagel, der nach fast 14 Stunden im Wasser gerettet werden konnte. Er ist der einzige Überlebende des Unglücks. Seine 19 Kameraden verloren bei dem Untergang des Bootes ihr Leben.

Die Untergangsposition von U-Hai wird vom Tender "Lech" im Laufe eine Suchaktion  per Sonar festgestellt und markiert. Taucher bestätigten, dass es sich um das gesuchte Boot handelte. Das Unterseeboot "Hai" wird dann am 21. September 1966  durch den Bergekran MAGNUS III aus 46 m Tiefe gehoben und zur Untersuchung der Unglücksursache nach Emden gebracht.

Das Gutachten vom 23. Dezember 1966 kommt zu dem Schluss, dass die beschriebene Verkettung unglücklicher Umstände Ursache des Untergangs war und Lenzmittel nach der Entdeckung des Wasserstandes aufgrund falscher Lageeinschätzung nicht eingesetzt wurden. Lesen Sie dazu die ausführliche Schilderung des Hergangs.

U-Hai wurde am 24. September 1966 offiziell außer Dienst gestellt. Am 30. September 1968 wurde dann auch das Schwesterboot U-Hecht außer Dienst gestellt. Beide Boote wurden verschrottet.


Der Ablauf der Ereignisse

U-Hai läuft am 12. September 1966 unter dem Kommando von Oberleutnant zur See Wiedersheim mit einer Besatzung von 20 Mann zusammen mit dem Sicherungsschiff "Passat", sowie den Ubooten "Hecht" und "U-3" aus Neustadt in Holstein aus, um eine Übungsfahrt in die Nordsee zu unternehmen. Der Hafen Aberdeen soll besucht werden. Neben der Stammbesatzung ist auf U-Hai für diese Reise auch Personal der Ubootlehrgruppe eingeschifft. In Kiel stößt dann noch der Tender "Lech" des in Kiel beheimateten 1. Ubootgeschwader dazu.

Am 14. September 1966 gerät der in zwei Gruppen fahrende Verband auf Höhe der Doggerbank in schweres Wetter. Die Uboote "Hai" und "Hecht" erhalten gegen 17:00 Uhr die Anweisung aufzutauchen und setzen die Fahrt bei starkem Seegang über Wasser in Dwarslinie fort. U-Hai fällt augrund des starken Seegangsund einer Abweichung vom Generalkurs des Verbandes seitlich versetzt immer weiter zurück. Gegen 18:45 Uhr verliert der Tender "Lech", den Kontakt zu U-Hai. Nach vergeblichen Versuchen das Boot per Signalmittel und Funk zu erreichen und seinen Standort festzustellen beginnt der Tender mit der Suche nach U-Hai.

Gegen 22.50 Uhr meldet sich das Unterseeboot "Hecht" manövrierunfähig und bittet um Schlepperhilfe. Bei Windstärke sieben hatte ein schwerer Brecher den unter der Gräting an Oberdeck befindlichen Leinenkasten aufgeschlagen und die Festmacherleinen herausgespült, von denen eine in die Schraube des Bootes geraten war. Der Tender "Lech" unterbricht die  Suche nach U-Hai und nimmt Kurs auf die Position von U-Hecht, um dem manövrierunfähig treibenden Boot zur Hilfe zu kommen. Der Tender verbleibt in der Nähe von U-Hecht bis es im Morgengrauen trotz der widrigen Wetterverhältnisse gelingt,  eine Schleppverbindung herstellen.
Gegen 22.30 Uhr meldet der Tender "Lech" dem Flottenkommando in Glücksburg, dass seit ca. 18:45 Uhr kein Kontakt zum

Unterseeboot "Hai" hergestellt werden kann. Es wird zunächst ein Ausfall der Funkanlage von U-Hai angenommen und aufgrund der Dunkelheit wird eine Suchaktion für den kommenden Morgen empfohlen. Das Flottenkommando setzt gegen Mitternacht den vor Helgoland liegenden Zerstörer "Bayern" in Marsch, der bei der Suche nach U-Hai helfen soll. Der Zerstörer läuft  am 15. September gegen 01:00 Uhr Nachts aus und erreicht das Suchgebiet gegen 09:00 Uhr.

In der nach dem Unglück erfolgten Rekonstruktion des Hergangs wird angenommen, dass U-Hai in Überwasserfahrt durch überkommende Brecher Wasser durch den Zuluftstutzen des zum Teil ausgefahrenen Schnorchels in die Maschinenraumbilge übernahm. Die entstehende Achterlastigkeit wurde durch die sich durch die Schlingerbewegungen des Bootes im Sturm mehr und mehr flutende achtere Tauchzelle verstärkt. Beides blieb im starken Seegang aber zunächst unbemerkt. Als einige Zeit nach dem Wachwechsel um 18.00 Uhr der hohe Wasserstand in der Maschinenraumbilge bemerkt wurde, entstand vermutlich aufgrund einer Verwirbelung des bis zu den Flurplatten angestiegenen Wassers durch die Propellerwelle der Eindruck eines Lecks im Maschinenraum. Dem Schiffstechnischen Offizier (STO) wurde "Starker Wassereinbruch im Maschinenraum" gemeldet.  Der Kommandant befürchtete offensichtlich ein Unterschneiden des bereits stark achterlastigen Bootes und befahl "Tauchretteralarm! Alle Mann aus dem Boot!". Schließlich dürfte die Schwimmlage so schlecht gewesen sein, dass sogar Wasser durch das Turmluk einströmte, wodurch das Boot jetzt  schnell voll lief und und bereits sank, als erst dreizehn Mann der Besatzung aus dem Boot gelangt waren und durch einen überkommenden Brecher aus dem Turm gespült wurden. Der Rest der Besatzung ertrank im Boot, als es gegen 18:50 Uhr (die Borduhr blieb um 17:47 Uhr Zulu stehen) über Heck auf 46 m Tiefe sank. Die Überlebenden trieben in der aufgewühlten Nordsee und kühlten langsam aus.

Um 7.32 MEZ meldet der Kapitän des  britischen Fischtrawler "St. Martin", Capitain Ernest Peek über Funk "Habe Überlebenden des deutschen Ubootes S170 auf 55.05 nördlicher Breite und 04.25 östlicher Länge geborgen". Es ist der Smut von U-Hai, Obermaat Peter-Otto Silbernagel, der nach fast 14 Stunden im Wasser gerettet werden konnte. Er ist der einzige Überlebende des Unglücks. Obermaat Silbernagel, der unter Schock stand, wurde mit einem Hubschrauber zunächst nach Wittmund (Ostfriesland) geflogen und dann weiter in das Krankenhaus Sanderbusch bei Wilhelmshaven gebracht. Bis zur Nachricht von der Rettung Obermaat Silbernagels wusste noch niemand vom Untergang von U-Hai.

Nun läuft eine großangelegte Such- und Rettungsaktion an, an der sich neben SAR Hubschraubern und den bereits zur Unglücksstelle beorderten deutschen Marineschiffen auch die britische Fregatte "Blackwood", das britische Unterseeboot "Opportune", drei britische Minensuchboote, der niederländische Kreuzer "De Zeven Provincien" und das amerikanische Uboot-Bergungsschiff "Kittiwake" beteiligen. In den frühen Morgenstunden des 15. September läuft der Schwimmkran "Magnus III" des Hamburger Bergungsunternehmens Harms gezogen vom Schlepper "Berne" der Unterweser Reederei AG aus Borkum mit Kurs auf die vermutete Untergangsstelle aus.

Von den mit Obermaat Silbernagel aus dem Boot gelangten Kameraden werden bis zum Abend des 15. September zwei von dänischen Hubschraubern und vier vom Zerstörer "Bayern"  tot geborgen.

Zwei Mann der Stammbesatzung waren durch für sie glücklich Umstände nicht an Bord und entgingen so dem Unglück. Weiterhin war ein Sanitätsmaat, der ursprünglich auf U-Hai eingeschifft war, in Brunsbüttelkoog auf den Tender "Lech" übergestiegen.

Blild links: U-Hai nach der Bergung in Emden
Foto © M. Körner, Kiel

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Nachdem die Untergangsposition von U-Hai vom Tender "Lech" per Sonar festgestellt und markiert und durch Taucher der USS "Kittywake" bestätigt worden war, keimte aufgrund vom Boot aufsteigender Luftblasen zunächst Hoffnung auf, dass im Boot noch Überlebende eingeschlossen sein könnten. Auf Klopfzeichen erfolgte jedoch keine Antwort. Das Unterseeboot "Hai" wurde am 21. September 1966  durch den Bergekran MAGNUS III gehoben und zunächst nach Helgoland gebracht, wo die sieben im Boot umgekommenen Ubootfahrer geborgen wurden. Anschließend wurde das Wrack weiter nach Emden gebracht, wo umgehend eine ausführliche Untersuchung eingeleitet wurde.

Das Gutachten vom 23. Dezember 1966 kommt zu dem Schluss, dass die beschriebene Verkettung unglücklicher Umstände Ursache des Untergangs war und Lenzmittel nach der Entdeckung des Wasserstandes aufgrund falscher Lageeinschätzung nicht eingesetzt wurden. Lesen Sie dazu auch den amtlichen Bericht.

U-Hai wurde am 24. September 1966 offiziell außer Dienst gestellt. Am 30. September 1968 wurde dann auch das Schwesterboot U-Hecht außer Dienst gestellt. Beide Boote wurden verschrottet.

Die Bootsglocke von U-Hai hat am  31. März 1973 in der Weihehalle des Marineehrenmals in Laboe ihren Platz gefunden. Dort ist heute leider nur noch eine Kopie zu sehen, da das Original gestohlen wurde.

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