U-Hai TechnikpersonalMit Gründung der Bundeswehr begann eine neue Periode des U-Bootfahrens in Deutschland. Das Unterseeboot "Hai" wurde als erstes Boot der jungen Bundesmarine am 15. August 1957 in Dienst gestellt.

U-Hai (S 170) diente wie auch das Schwesterboot U-Hecht (S 171) vornehmlich der Ausbildung von jungen U-Bootfahrern und war zuletzt der U-Boot-Lehrgruppe unterstellt.

Es war ein Boot der ehemaligen Kriegsmarine (U-2365, Typ XXIII), das im Kattegatt, nahe der Insel Anholt, durch die Hamburger Bergefirma Beckedorf auf eigenes Risiko aus 56 m Wassertiefe gehoben worden war.

Das beim Versenken das Bootes auslaufende Öl hatte sich wie eine Schutzschicht über alle Metallteile gelegt. Daher war das Boot bei seine Bergung Im Juni 1956 noch in erstaunlich guten Zustand und konnte in weniger als einem Jahr von den Kieler Howaldtswerken für nur 2,5 Millionen Mark vollständig überholt werden. Dabei mussten nur wenige Elemente wie Schalttafel und Elektromotor erneuert werden und das Boot wurde in fast ursprünglicher Ausführung als "U-Hai" an die Bundesmarine abgeliefert. Lediglich der Bugbereich war für die Aufnahme eines neuen aktiven akustischen Ortungsgerätes etwas verändert worden. Außerdem erhielt das Boot eine Ankervorrichtung, die beim Typ XXIII nicht vorhanden gewesen war.

Das Boot wurde, wie bereits eingangs erwähnt, am 15. August 1957 gemäß dem Indienststellungsbefehl Nr. 25 unter dem Namen Unterseeboot "Hai" mit Heimathafen Flensburg-Mürwik durch den Kommandeur des Schiffserprobungskommandos in Kiel in Dienst gestellt und wurde zunächst für die Dauer der Erprobung der Über- und Unterwassertauglichkeit truppendienstlich und fachlich dieser Dienststelle unterstellt. Während der Erprobungszeit vom November 1957 bis zum Juli 1958 zeigte das Boot gute Überwasser- und Unterwasser-Fahreigenschaften. Die maximale Tauchtiefe wurde auf 60 m festgesetzt.

Im August 1956 war im Großen Belt ein weiteres gut erhaltenes Typ XXIII Unterseeboot (ex. U 2367) gehoben worden. Dieses Boot wurde ebenfalls bei den Kieler Howaldtswerken aufgearbeitet und konnte kurze Zeit nach U-Hai am 1. Oktober 1957 als "U-Hecht" in Dienst gestellt werden.

Im Laufe der Erprobungen der beiden Boote beim Schiffserprobungskommando in Kiel wurden auch die ersten jungen Ubootfahrer unter der Führung erfahrener Uboot-Offiziere und Portepeeunteroffiziere des zweiten Weltkrieges ausgebildet. Nach Abschluß der Erprobung unterstanden die Boote zunächst dem „Kommando der Zerstörer“, dann aber dem „Kommando der amphibischen Streitkräfte“ unter dem damaligen Kapitän zur See Otto Kretschmer.

Am 1. August 1959 wurde unter dem Kommando des damaligen Fregattenkapitän Reche die U-Boot-Lehrgruppe in Neustadt in Holstein aufgestellt. Am 28. März 1960 wurden U-Hai und das typgleiche Schwesterboot U-Hecht als erste Schul-U-Boote der Bundesmarine der Lehrgruppe unterstellt.

Im Laufe eines längeren Werftaufenthalts bei Blohm & Voss vom September 1962 bis zum August 1963 wurden mehrere Umbauten vorgenommen. Unter anderem wurde eine moderne, dem aktuellen technischen Stand entsprechende Antriebsanlage eingebaut. Dabei wurde das Boot um etwa 1,50 m verlängert. Außerdem wurde die Form des Turms geändert und der Dieselzuluftmast im Turm wurde deutlich gekürzt und zugeflanscht. Die Oberkante des Luftabnahmestutzens lag nun nur noch 1,35 m über der Wasserlinie des Bootes im aufgetauchten Zustand. Diese Baumaßnahme schaffte letztlich eine Schwachstelle, die bei Überwasserfahrt in rauer See die Übernahme von Seewasser in die Maschinenraumbilge begünstigte und die als einer der auslösenden Faktoren für den Untergang von U-Hai am 14. September 1966 angesehen werden kann.

Nach dem Umbau erhielten die Boote die neue Typenbezeichnung 240. U-Hai und U-Hecht hatten nach dem Umbau eine Verdrängung von 275 Tonnen. Am 1. August 1963 erfolgte die Wieder-Indienststellung des Unterseeboots "Hai" unter dem Kommando von Oberleutnant zur See Jung.

Daten und Fakten:

Bauwerft:

Deutsche Werft, Hamburg, 1945, Stapellauf: 26.1.1945, Indienststellung am 2.3.1945

Instandsetzungswerft:

Howaldtswerke, Kiel, 1957, Indienststellung am 15.8.1957

Umbauwerft:

Blohm und Voss, Hamburg

Außerdienststellung zum Umbau am 19.10.1962

2. Indienststellung, nach dem Umbau am 1.8.1963

Wasserverdrängung:

230 / 260 ts - nach dem Umbau: 275 ts

Länge:

34,68 m - nach dem Umbau 1962/1963: 36,12m

Breite:

3,02 m

Höhe:

7,7 m

Tiefgang:

3,62 m

Antriebsanlage

- Diesel:

- Getriebe:

- Batterie

- Generator:

 

- Schleichmotor:

vor der Umrüstung 1962/1963:

1 MWM RS 74 S 6 Zylinder-Viertaktdiesel, 575 PSe, n = 850 UpM

600 PSe, n = 2,835:1

2 x 31 Doppelzellen, 5400 Ah bei 20 Std. Entladung

Generator-Betrieb:385 KW, 300 V, 1200 A, n = 850 UpM

Motor-Betrieb; 332 KW, 240 V, 1520 A, n = 775 UpM

32,5 KW, 300 V, N = 370 UpM

Antriebsanlage

- Diesel:

- Batterie

- E-Maschine:

- Schleichmotor:

nach der Umrüstung 1962/1963:

Maybach MB 820 S 1,, 550 PSe, n = 1400 UpM, mit angehängtem Generator 400 KW

2 x 62 Zellen Typ 16 PAS, 5150 A bei 5 Std. Entladung

332 KW, 240 V, 1520 A, n = 775 UpM

32,5 KW, 300 V, N = 370 UpM

Leistung:

630PS/470kW bei Überwasserfahrt - 580PS/433kW getaucht

Geschwindigkeit:

9,7 bei Überwasserfahrt - 12,5 kn getaucht

MaximaleTauchtiefe:

180 m

Reichweite:

2600 sm (4,800 km) bei 8 kn bei Überwasserfahrt, 194 sm (359 km) bei 4 kn getaucht

Bewaffnung:

2 Torpedorohre

Besatzung:

3 Offiziere, 2 Unteroffiziere mit Portepee, 8 Unteroffiziere, 6 Mannschaften

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